Die Corona Krise aus der Sicht unserer europäischen Freiwilligen

19.05.2020

Die Corona Krise aus der Sicht unserer europäischen Freiwilligen
Manuela Gutiérrez Puerta ist 23 Jahre alt und kommt gebürtig aus Kolumbien, lebt aber schon länger in Spanien und absolviert ihren Freiwilligendienst bei uns im Droste-Haus und an der OGS in Sürenheide. Sie hat sich mittlerweile schon sehr gut in Verl eingelebt und schreibt über ihre Zeit unter diesem Link. Was viele nicht wissen: wir sind seit 1997 Aufnahme und Entsendeorganisation für den Europäischen Freiwilligendienst. Das heißt, wir vermitteln Jugendliche aus dem Kreis Gütersloh an soziale Projekte im europäischen Ausland.

Manuelas Bericht in Zeiten von Corona

Im Mai begann sich nach und nach alles wieder zu normalisieren. Es war ein Monat mit viel Sonnenschein und Wiedersehen mit Kollegen aus dem Droste-Haus und einigen Kindern. Ich finde es sehr interessant zu sehen, wie jeder diesen Anpassungsprozess an die neue Normalität durchlebt. Manche Menschen zögern, in einer kälteren Realität mit weniger Kontakt zu leben, aber auch wenn es schwierig ist, denke ich, dass wir alle Verantwortung übernehmen müssen. 

Da ich am zweiten Seminar des Freiwilligendienstes nicht teilnehmen konnte, haben die Organisatoren beschlossen, es virtuell durchzuführen. Dank der Technologie und einiger virtueller Tools hatten wir 3 Wochen lang ein interaktives und unterhaltsames Seminar. Ich vermisste den menschlichen Kontakt und vor allem die Möglichkeit, mit den anderen Freiwilligen zu interagieren. Ich muss jedoch sagen, dass es eine positive Erfahrung war, und ich bin froh, dass ich daran teilgenommen habe. Ich lernte über sehr interessante Themen wie Diskriminierung, Solidarität, Gerechtigkeit und andere für die Gesellschaft relevante Werte. Darüber hinaus konnte ich mich mit anderen Freiwilligen über Erfahrungen und Zukunftsperspektiven nach der Freiwilligendienst austauschen. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass alles zu 100% auf Deutsch war, was es mir ermöglichte, die Sprache weiter zu üben, was einer der wichtigsten Aspekte dieser Erfahrung ist. Nachdem ich einige Jahre versucht hatte, Deutsch zu lernen, hatte ich das Gefühl, dass ich die Sprache nie beherrschen würde, aber da ich in Verl völlig in ein deutsches Umfeld eingetaucht bin, konnte ich ein gutes Niveau erreichen. In diesem Monat habe ich sogar die C1-Prüfung abgelegt, die mir den Zugang zur Universität ermöglichen wird. Ich glaube, wenn ich in größeren Städten wie Berlin oder Hamburg gewesen wäre, hätte ich nicht so viel gelernt.

In diesem Monat war ich auch meiner Gastfamilie viel näher. Auch wenn wir immer auf Abstand bleiben, essen wir gemeinsam im Garten, gehen spazieren oder unterhalten uns einfach ein wenig. Am Wochenende machten wir eine Radtour nach Rietberg, einer kleinen Stadt, die viel traditionelle deutsche Architektur mit gepflasterten Straßen und Häusern in Fachwerk bewahrt hat. Ansonsten praktiziere ich weiterhin jeden Tag Yoga und investiere Zeit in meine persönliche Entwicklung, die ich als eines der wichtigsten Dinge empfunden habe.